Egal, wo wir auch sind, wir nehmen
irgendwie jeden Feiertag und jede Veranstaltung mit. Und Spanien hat
davon ja reichlich viele. Es gibt einfach immer einen Grund zum
Feiern. So auch in Sevilla und Ronda, unseren nächsten zwei Stopps.
Mal davon abgesehen, dass es mega heiß war und unser
Entdeckungsdrang mit jedem Schritt in der prallen Sonne etwas abnahm,
hat uns besonders Sevilla sehr fasziniert.
Eine wundervolle Stadt.
Angenehme Atmosphäre mit spanischem Flair. Beeindruckende
geschichtsträchtige Gebäude. Gelebte und geliebte Tradition.
Stierkampf und Flamenco an jeder Ecke. Überall fuhren
Pferdekutschen. Alle Menschen trugen spanische Trachten. Ist das dort
immer so?
Bei den zahlreichen gemütlich
einladenen Tapasbars konnten wir nicht widerstehen, so dass wir
spontan einkehrten.
Paella für Jacqui. Überraschungsgericht,
welches sich als Geflügelspieße mit Honigmarinade entpuppte, für
mich.
Glücklich vollgefressen ging es (ungeplant und unwissend) zum
nächsten Fest in Ronda. Sah nach Sportwettkampf und Friedensumzug
zugleich aus.
Wir wissen nicht, wie wir das immer schaffen, genau zu
den Feierlichkeiten am richtigen Ort zu sein. So konnten wir die
Parade mit mobilem Orchester verfolgen und etwas durch das kleine
süße (etwas von Rentnern und Touristen überlaufene) Örtchen
schlendern. Besonders sehenswert ist die in die Tiefe ragende Brücke,
die die Stadt teilt. Mit atemberaubender Sicht über
die zauberhafte Landschaft Spaniens.
Danach ging es auch schon nach Málaga,
wofür wir uns mal wieder seit längerer Zeit ein Hostel gönnten.
Ein Bett mit bequemer Matratze. Internet und Steckdose auf dem
Zimmer. Und das Ganze nicht weit weg von Zentrum. Dies nutzten wir,
um das Nachtleben zu erkunden. Immerhin hatte eine Disco (Havana Club
Night) auch an einem Sonntag geöffnet. Lange ausgehalten haben wir
es dort drin allerdings nicht. Und der kostenlose Promotion-Mojito
glich eher Zuckerwasser. Stattdessen haben wir uns in eine der vielen
Bars begeben, wo es auch einen Tequila-Tabasco Shot aufs Haus gab.
Wir waren insgesamt ziemlich positiv überrascht von Málaga als
Urlaubsort, um mal die Seele baumeln zu lassen.
Die Nacht war entsprechend kurz. Aber
der nächste Morgen hätte trotzdem so schön sein können. FRÜHSTÜCK
im Hostel. Mit gutem Kaffee. Endlich mal Alternativen zu Haferflocken
und Milch. Und selbst keine Teller abwaschen. Klingt traumhaft. Hat
sich aber leider als Alptraum entpuppt:
Wir stürzten uns über das kleine,
aber feine Frühstücksbuffet (wobei Jacqui schon aus Versehen ein
Glas zerbrach und sich daran schnitt) und setzten uns gegenüber
unserer Zimmernachbarin (sie war uns von Anfang an etwas suspekt,
weil sie immer sehr grimmig dreinschaut und den ganzen gestrigen
Abend geschlafen hat) an den großen runden Tisch im idyllischen
Innenhof. Es war einfach der schönste Platz, so dass wir das
Agro-Gesicht einfach in Kauf nahmen. Dumm nur, dass sie ihre Chance
nutzte und ihrem Ärger (von dem wir bis dahin noch nichts geahnt
hatten) Luft machte: „Aren't you the girls next door? We have to
talk!!“. In kurz: Wir hatten ein Zweibettzimmer mit shared bathroom
gebucht. Um zu unserem Zimmer, aber auch zum Gemeinschaftsbad zu
gelangen, mussten wir automatisch das dorm (Mehrbettzimmer, wo unsere
„Freundin“ und eine ältere Dame geschlafen haben, von denen
Jacqui heute morgens um 6 Uhr geweckt wurde) durchqueren. Leider sind
die Türen (spätestens wenn man das Türschloss benutzte) sehr laut.
Sie hatte ihr Bett direkt neben der Badtür. Wir waren ja abends noch
weggegangen und kamen gegen 3 Uhr wieder.
Sie hat sich nicht etwa wegen unserer
Partystimmung oder Lautstärke beschwert, nein, sondern dass wir ja
IHR Bad nachts benutzten und dass sie deswegen nicht mehr schlafen
konnte (Sie gehe nachts ja auch nicht einfach durch unser Zimmer!).
Mal ganz ehrlich, wer wählt auch schon freiwillig das Bett direkt
neben dem Bad? Und wo zum Himmels Willen sollen wir denn sonst
strullern gehen, wenn nicht im GEMEINSCHAFTSbad? Und warum bucht sie
ein Mehrbettzimmer, wenn sie mit dem Konzept nicht klarkommt? Wir
durften uns dann Vorwürfe wie „You have no respect!!!“ und
„Don't act so innocent!!“ anhören. Als wir uns immer noch nicht
entschuldigt hatten, sprang sie kurzerhand auf, wie ein wildes Tier
(ist beim Aufstehen auch erst mal über die Bank gestolpert und auf
die Fresse geflogen), griff das Glas Orangensaft und schüttete es
direkt in Jacquis Gesicht. Und weil das noch nicht genug war, gleich
den Kakao noch hinterher! (Später behauptete sie, dass WIR ja ihr
zuerst den Kakao auf die Hose geschüttet haben.) Ohne Witz!
Angepisst (wortwörtlich) wurde ein Hostelpersonal aufgesucht, um das
Dilemma zu erläutern. Die einzige Ansprechperson war allerdings nur
ein überforderter, junger Servicemitarbeiter, der kaum ein Wort
Englisch verstand und demnach das ganze Drama nicht verstand und
einfach sein Bestes gab, um auch nur irgendwas Gutes zu tun.
Jeglicher Hunger und Vorfreude auf ein
ausgewogenes Frühstück waren somit verflogen. Zum Glück mussten
wir sowieso bald auschecken. Die „Bestie“ (würde sicher eine
Rolle in einem Horrorfilm bekommen) hat schon auf der Lauer gesessen
und ist uns nicht viel später zur Rezeption gefolgt (mittlerweile
war die englisch sprechende Empfangsdame gekommen), um nochmal zu
betonen, dass wir ja die bösen, respektlosen Deutschen, die nicht
aus der Geschichte gelernt haben, sind (Zur Erinnerung: der Ursprung
des Streits war die Toilettenbenutzung!). Beruhigend zu wissen war
dann aber wieder, dass das Hostelpersonal auf unserer Seite war. So
konnten wir endlich diese Furie hinter uns lassen, während wir beim
Verlassen sie nur zum Personal mit ihrer aggressiven Art sagen
(schreien?) hörten: „This is a problem for me! And I have another
problem!! ...“ Sicher hat sie nicht nur Probleme mit uns, dem
Schließfach und der Waschmaschine, sondern auch noch einige anderer
Art.
| So - nur noch schlimmer :D |
Und Jacquis Pechsträhne ging weiter: 2
Euro in den Automaten gesteckt - keine Cola herausgekommen. Hunger
auf eine Tüte Fertignudeln - aber kein Wasser weit und
breit...
Wenigstens haben wir noch Tickets für die Alhambra bekommen,
auch ohne vorzubestellen. Schließlich ist das DIE Sehenswürdigkeit,
wenn man schon in Granada ist. Hatte uns ja auch der nette Mann aus
dem Surfshop wärmstens ans Herz gelegt. Und diese weitläufige
Festungsanlage mit Palästen und Gärten ist echt beeindruckend (wenn man sich die ganzen Touristenmassen wegdenkt).
Die Strecke von Sevilla über Málaga
nach Granada durch das Sierra Nevada Gebirge ist übrigens von der
Landschaft her mit eines der schönsten, die wir bisher gefahren
sind!
Um in die
Nasriden-Paläste zu gelangen, mussten wir allerdings 2 Stunden
Wartezeit totschlagen, sodass wir den ganzen Tag mit der Alhambra
verbracht haben und dann statt auf einem Campingplatz in einem
Industriegebiet übernachteten. Nachdem die Polizei dann endlich nach
mehrmaligen Streife fahren außer Sichtweite war, konnten wir auch
beruhigt schlafen.
Nach über 4 Stunden Autofahrt sind wir
heute in Valencia auf einem Zeltplatz angekommen. Etwas verwundert
waren wir schon, als uns der Pförtner einfach den Personalausweis
abnahm, den Preis nannte und meinte, wir können durchfahren und dort
hinten (auf Spanisch natürlich) irgendwo unser Zelt aufbauen.
Irgendwann stellten wir fest, dass es einfach keine ZeltWIESE gab,
sondern nur einen Schotterplatz. Halleluja. Wir haben gar nicht erst
versucht die Heringe in den Boden zu stecken, haben schon genug
verbogene Haken. Und alles andere (Rezeption, Restaurant,
Einkaufsladen und Pool) war geschlossen. Super erster Eindruck. Aber
immerhin können wir endlich mal wieder Wäsche waschen.
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